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Der Mallinckrodthof in Nordborchen

Der romantische Mallinckrodthof in Nordborchen verbindet historisches Ambiente, Gartenarchitektur und Genuss miteinander. Ein Landschaftspark, ein Sinnesgarten für Jung und Alt und ein Restaurant mit Biergarten sind attraktive und sehenswerte Ziele auf dem großzügigen Areal.

Vom Parkplatz kommend schaut man zunächst auf die Gräfte mit dem Herrenhaus und der kleinen Gartenanlage mit einem Pavillon, dem "Annetten-Tempelchen". Über eine kleine Brücke östlich des Hauses erreicht man den Rosen- und Bauerngarten, an den sich eine weitläufige Wiese anschließt. Hier befindet sich ein Sinnesgarten für Jung und Alt mit extra verbreiteten Wegen, die für Rollatoren und Rollstühle geeignet sind, ein Barfußpfad und ein Wasserspiel. Südlich des von alten Bäumen umgebenen Herrenhauses liegt ein großzügiger Landschaftspark mit Kinderspielplatz. Das sanft zur Aue des Flüsschens Altenau abfallende Gelände wird von einem alten Baumbestand gesäumt. In dessen Zentrum befindet sich eine große Wiese mit Obstbäumen, die zur Versorgung des einstigen Hofes dienten. In der südlichen Ecke des Parks befindet sich ein historischer Felsenkeller, der vor einigen Jahren noch zur Lagerung von Obst und Gemüse genutzt wurde. Aktuell sind hier Fledermäuse beheimatet, die den Felsenkeller als Winterquartier nutzen. Das Eingangsportal des Kellers war ursprünglich mit einer steinernen barocken Christusfigur bekrönt. Diese ist heute an der nordwestlichen Ecke der Gräfte aufgestellt. Vom Felsenkeller führt der Weg durch eine alte Lindenallee wieder zurück zum Herrenhaus. Der Mallinckrodthof ist öffentlich zugänglich. Ein Spaziergang auf dem Gelände lässt sich wunderbar mit einer Tasse Kaffee in der Genusswerkstatt verbinden.

Die Geschichte der beiden Nordborchener Rittersitze (Ober- und Unterhaus) ist durch die freiherrliche Familie von Oeynhausen eng miteinander verknüpft.

Der Mallinckrodthof - das ehemalige Oberhaus - bildet auch heute noch einen zentralen Punkt im alten Ortsbild von Nordborchen.

Das Haupthaus ist umringt von einer Gräfte (mit Quellwasser gespeist), die mit einer Bruchsteinmauer eingefasst ist. Das Fachwerkhaus wurde 1684/86 auf den Fundamenten einer vorher abgebrochenen älteren Anlage errichtet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörten noch Scheunen bzw. Ställe, ein Brauhaus, ein Felsenkeller, ein Kutscherhaus mit Schmiede, ein Kuh- und ein Schafstall dazu, sowie das in der Gräftenmauer befindliche "Annettentempelchen". In diesem Tempelchen soll Annette von Droste-Hülshoff sich gerne aufehalten haben und bei einem ihrer Besuche einen Teil der "Judenbuche" verfasst haben. Die landwirtschaftlichen Gebäude lagen außerhalb der Gräfte gegenüber dem Haupthaus und waren durch einen großen Hof miteinander verbunden. Links neben der Gräfte liegt der Garten und hinter dem Haupthaus erstreckt sich - mit der Lindenallee und anderen alten Bäumen - der große Park. Der große Hof - so wurde das Oberhaus früher genannt - war freivererbliches Gut und gehörte den Paderborner Bischöfen. Adelige Familien belehnten den Hof. Die ersten bekannten Besitzer waren die Herren Driburg im 14. Jahrhundert. Nach dem Aussterben der Familie belehnte der Erzbischof Dietrich von Köln 1430 die Brüder von Oeynhausen mit mehreren Gütern, darunter auch der Hof in Nordborchen. Der Hof wurde über die Jahrhunderte vererbt und verkauft, gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der Abriss der meisten Wirtschaftsgebäude. Am 18. November 1911 kaufte die wirtschaftliche Frauenschule das Restgut. Nach den erforderlichen Umbauten für Schulzwecke und Wohnmöglichkeiten fand am 23. April 1912 die Eröffnung der Schule statt. Im Mittelpunkt der Unterrichtsarbeit auf dem Mallinckrodthof stand die Ausbildung zur Lehrerin der landwirtschaftlichen Haushaltungskunde. Nach jahrzehntelanger Nutzung als angesehene Bildungsstätte ist der Mallinckrodthof jetzt seit 2005 im Besitz der Gemeinde Borchen und wird von der Bauabteilung der Gemeinde Borchen, dem Studieninstitut Soest, der Volkshochschule, den Schützen, der Genusswerkstatt und dem SC Borchen genutzt. Im Nebengebäude, dem ehemaligen "Kuhstall", hat die regional bekannte Puppenspielerin Nelo Thies ihre Wohnung bezogen.

Das Annettentempelchen und die Familiengeschichte der Droste zu Hülshoffs

Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff zu Gast in Borchen
Am Samstag, den 24. Mai 2025, wurde im Haxtergrund am sogenannten Stern die Stifterin der dortigen Mariensäule geehrt: Pierrine Freifrau v. Droste zu Hülshoff (1852-1903). Ihren Grabstein hatte Eckart Hachmann in Warburg aufgespürt und diesen gemeinsam mit Ortsheimatpfleger Konrad Lüke von dort vor zwei Jahren nach Borchen geholt.
Pierrine, eine Nichte des Warburger Bürgermeisters Heinrich Fischer, war als Bankierstochter in Paris aufgewachsen und hat Ihrem Mann, Carl Freiherr v. Droste zu Hülshoff (1843-1922), einem Neffen der Dichterin, den Kauf von Gut Hamborn ermöglicht, worauf er auch Ortsvorsteher und zeitweilig Abgeordneter von Borchen im Provinziallandtag wurde. Verkäuferin war die Familie des Politikers Hermann von Mallinckrodt, in dessen Familie auf Gut Böddeken ein weiterer Neffe der Dichterin einheiratete.
Der Grabstein der Pierrine wurde in einem feierlichen Gedenkakt nun würdig an der Mariensäule aufgestellt. Aus diesem Grund war einer der Ururgroßneffen der Dichterin und Autorin Annette von Droste Hülshoff - Freiherr Wilderich von Droste zu Hülshoff - und weitere Angehörige zu Gast in Borchen. Abends hielt Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff noch einen Vortrag im Mallinckrodthof. Dieser Vortrag mit dem Titel „Was verband Annette v. Droste-Hülshoff mit Borchen – und wer waren die Droste-Hülshoffs auf Schloss Hamborn?“ stellte die vielfältigen Beziehungen der Dichterin in unserer Region dar. Auf Einladung des Kulturkreis der Gemeinde Borchen kamen über 85 überaus interessierte Gäste in den damit überfüllten Speisesaal des Mallinckrodthofes, um mehr über die hiesigen Adelsverflechtungen und über die Dichterin zu erfahren. Zudem öffnete die Gemeinde Borchen zu diesem Anlass das Annettentempelchen, das sonst nur von Außen zu besichtigen ist.

Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff, 1948 geboren, ist Jurist und Schriftsteller. Sein Vater stammte aus Schloss Hamborn. Verheiratet mit der Orchesterdirigentin, Schriftstellerin und Malerin Hortense von Gelmini lebt er mit seiner Familie auf ihrem Landsitz bei Freiburg i. Breisgau. Über die Dichterin, an die beim Mallinckrodthof das „Annette-Tempelchen“ erinnert, hat er mehrere Bücher publiziert. Bekannt wurde Annette von Droste-Hülshoff insbesondere durch ihre Novelle „Die Judenbuche.“ Auf mehreren Reisen zwischen dem Münsterland und Ostwestfalen hat sie „das gebirgichte Westphalen“ kennen- und lieben gelernt und meisterhaft beschrieben. Ihre Mutter stammte aus einer Familie, die ihren Stammsitz auf dem Haxterberg hatte: die Freiherren von Haxthausen. Über sie war die Dichterin hierzulande verwandt z.B. mit den Freiherren von Brenken in Wever und Erpernburg, wo sie öfters zu Gast war.

Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff zu Gast in Borchen – Gedenken an Stifterin der Mariensäule bleibt lebendig

Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff zu Gast in Borchen – Gedenken an Stifterin der Mariensäule bleibt lebendig
TN (v.l.):Romina Risse (Gemeinde Borchen), Frau Fischer (Angehörige), Eckardt Hachmann, Christoph Möllmann, Konrad Lüke (Gemeindeheimatpfleger), Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff und weitere Angehörige, dazwischen BM Uwe Gockel

Mallinckrodthof in Nordborchen

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