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Kultur & Bildung
Hirten & Hude

Hirten & Hude

In den frühen Jahrhunderten kannten die Meier und Kötter noch nicht den Anbau von Futterkräutern und Hackfrüchten. Die Bauern schickten ihre Rinder, Schafe und Schweine zur Hude - Weidegang und Waldmast - in die Gemeindeflur.
Bis zur Separation hütete ein Kuhhirt alle Kühe des Dorfes. Nach einem festen Wochenplan ließ er die Herde weiden. Montags zog er in das Westenfeld, dienstags nach Norden in die Eschenkämpe, mittwochs bis samstags nach Süden in das Kleefeld und sonntags über den Römerweg nach Osten. Sehr häufig trieb er die Herde auf die damals nassen Felder vor der Wilhelmsburg zu beiden Seiten des "Malkewiags" (Melkweg). Mittags wurden die Kühe dort gemolken. Die Melkerinnen trugen die frische Milch in das Dorf zurück. Noch heute heißt die Verbindungsstraße zur Wilhelmsburg "Melkeweg".
Über Jahrhunderte hatten die Grundherren von Brenken und von Imbsen das Huderecht auf der Alfener Gemeindeweide und auf den im Herbst brach liegenden Feldern für jeweils eine große Schafherde. Schafe zu besitzen bedeutete damals, reich zu sein. Die Tiere lieferten Fleisch und wertvolle Wolle. Bauern, die im Dorf Schafzucht betreiben wollten, lösten gemeinsam im Jahre 1860 das Huderecht der Grundherren ab. Sie zahlten beispielsweise an die Familie von und zu Brenken 1.108 Taler, 20 Silbergroschen und 8 Pfennig. Nun hüteten vier Schäfer ihre Herden ohne Hudebegrenzung. Manche Bauern besaßen nur wenige Schafe, für die sie dann einen gemeinsamen Hirten anstellten. Bis zu 1.000 Tiere - mit Farbflecken zur Besitzunterscheidung gezeichnet - weideten auf der Alfener Flur. Der Schäfer trug einen für seine Zwecke gestalteten Hirtenstab, der oben mit einem Messinggriff und unten mit einer kleinen Schaufel mit Haken versehen war. Die Schaufel diente zum Werfen von Erdbröckchen, um weidende Schafe, die dem Nachbargrundstück zu nahe kamen, zurückzutreiben. Mit dem Haken konnte der Schäfer jedes Tier einfangen, indem er es am Hinterbein festhielt. Der Schäferstab wurde nachts auf den Schäferkarren gesteckt, angeblich um den Blitz abzuleiten.
In der letzten Juniwoche - nach Johanni - fand in Paderborn der große Wollmarkt statt. Die Schafe mussten kurz zuvor geschoren werden. Vor der Schafschur trieb man die Herde an die Alme. Zwei Männer fassten jeweils ein Schaf und wuschen es gründlich im Flusswasser. Nach zwei Tagen war die Wolle hell und trocken. Mit einer scharfen Handschere begann der Hirt, die Wolle abzutrennen. Ein Schaf lieferte durchschnittlich 4 Pfund Wolle. Den größten Teil der Wolle verkaufte er damals zu einem guten Preis auf dem Paderborner Wollmarkt. 1 Pfund Schafwolle kostete zwischen 12 und 13 Groschen, Spinnwolle - eine ausgesuchte Ware - kostete 2 Mark. Aus einem Pfund Wolle bekam man 1 Paar lange und 1 Paar angestrickte Strümpfe, die ungefärbt getragen wurden - später wurden sie dann mit Walnussschalen gelbbraun gefärbt.
Mit Hunden betreute der Schäfer fast das ganze Jahr draußen seine Herde. Er hütete sie an den Graswegen und im Herbst auf Klee- und Stoppelfeldern. Nachts schliefen die Schafe eng zusammengedrängt innerhalb der Holzhürden auf freiem Feld. Hierdurch wurde das betreffende Stück Land gut gedüngt und jeden Morgen schlug der Schäfer die Hürden um. Zur Düngung von 1 Morgen Land genügten 5 Nächte, eine Dungnacht (Pirch) kostete 3 Mark. Oft stellte der Bauer dem Schäfer im Laufe eines Jahres seine Felder für die Hude zur Verfügung und erhielt dafür die Pirchnächte gratis. Nebenan stand die Schäferhütte - ein abschließbarer Karren auf zwei Rädern - in der der Hirt die Nacht verbrachte. Drohte Gefahr, meldeten sich sogleich die Hunde, die unter der Hütte schliefen. Nur in der kalten Winterzeit wurden die Schafe im Stall gefüttert.
Heute gibt es in Alfen keine Schafherde mit einem Hirten mehr, doch etliche Bewohner halten mehrere Schafe, die kleine Flächen beweiden. Etteln berichtet in seiner Chronik 1842 über folgende Begebenheit:
"...ward und der Eicheln-Mast zu Wünnenberg sehr angepriesen. Die meisten von den Eingesessenen hiesiger Gemeinde ließen sich bewegen, ihre Schweine auch dorthin zu treiben, und glaubten dann recht fette Schweine für ein geringes Mastgeld von 2 Thaler 5 Silbergroschen, nach Verlauf von einigen Monaten wiederholen zu können; allein fast alle bekamen dieselben in dem nämlichen Zustande, nur mit dem Unterschiede wieder, daß ihnen der Name Etteln ans Ohr oder Schenkel gesetzt war. Der Gemeinde Rath Franz Joseph Günther verlor bei dieser Gelegenheit eine treffliche Sau, die dem Vernehmen nach in eine andere Gemeinde marschiert ist. Mit den unfreundlichsten Gesichtern trieben die hiesigen Gemeindemitglieder ihre stockhagern Schweine durch das kalte und lange Sindfeld wieder nach Etteln und sahen sich noch einmal mit hämischen Blicken nach den Wünnenbergischen Waldungen, den festen Entschluß fassend, nie wieder so thöricht zu sein, die beredtsamen Bürger von Wünnenberg durch Ettelsches Mastvieh zu bereichern."

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