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Kultur & Bildung
Flachsverarbeitung

Flachsverarbeitung

Im 19. Jahrhundert bauten die Dorfbewohner Flachs an. Die Fasern der Flachsstängel wurden während der Winterzeit von fleißigen Händen zu Leinen verarbeitet. Um Leinenstoffe für Bettwäsche, Hemden, Schürzen und Tischtücher herzustellen, stand in jedem Haus ein Spinnrad mit Haspel und ein Leinen-Weber-Gestell (Webstuhl). In den Sommermonaten stellte man die Geräte auf den Dachboden, während der Flachs nach der Ernte im Juli - Aussaat am 100. Tag des Jahres - in der Sonne, im Backofen oder sogar am Ziegeleiofen gründlich getrocknet wurde. Im Winter holten die Hausbewohner die Geräte wieder vom Dachboden in das warme Zimmer und das Briäken (Brechen), Schawen (Abschaben), Hecheln (Kämmen), Spinnen und Weben der trockenen Flachsfasern konnte beginnen.
Geschickte Spinner verstanden es, am Spinnrad aus den Flachsfasern sehr dünne Fäden zu spinnen, um später feines Tuchleinen zu erhalten. Die gesponnenen Fäden wickelte man auf eine Haspel. Drehte man die Haspel sechzig mal, waren sechzig Fäden aufgewickelt, die man 1 Bind nannte und mit einem Faden zusammenband. 20 Binde auf der Haspel waren dann 1 Stück Garn. Diese Bezeichnung taucht noch bis 1850 bei den Abgabenverpflichtungen der Hausstätten an die Grundherren auf. So hatten viele Familien neben dem Kornzehnten auch die jährliche Verpflichtung, 1 Stück Dienstgarn (handdienstliche Leistung) an die Grundherren abzuliefern.
Vier Personen hatten am Webstuhl zu tun, um aus dem Garn den Leinenstoff zu weben. Das fertige Leinen wickelte man auf den Lakenbaum. Man maß den Stoff in Rap - ein Rap war die Arbeit eines Tages - wobei ein Rap Leinen eine Länge von 20 Ellen (11,60m) und eine Breite von einer Elle (0,58 m) hatte. Aus einem Rap Leinen konnte man 4 Männerhemden herstellen.
Das gewebte Bauernleinen war früher sehr wertvoll und gehörte zu den Vermögenswerten eines Hauses. Als beispielsweise Johannes Bernhard Gerdiken am 24.02.1853 das elterliche Anwesen, einen der ältesten Höfe des Ortes, als Erbe übernahm, gehörten zum besonderen Vermögen auch 80 Ellen Tischtuchleinen und 100 Ellen feines Tuchleinen. In der Regel zählten bis 1900 zur Aussteuer auch ein Spinnrad mit Haspel, Leinen-Webstuhl, Leinenstoffe und selbstgefertigte Leinenhemden. Das zeigt, wie die Menschen damals den verschleißarmen und reißfesten Leinenstoff schätzten.
Sollte das Rohleinen eine schöne weiße Farbe erhalten, trugen die Bewohner es auf den Bläykeplaß (Bleichplatz) und breiteten es in der Sonne aus. In Alfen lag der Bleichplatz an der Alme östlich der Brücke. Dieses Gelände gehörte der Gemeinde und war wochenlang mit Leinen belegt. Beim Bleichen musste der Stoff immer wieder mit dem damals klaren Almewasser besprengt werden. Es wird berichtet, dass die Bewohner Alfens am Bleichplatz eine kleine Hütte errichtet hatten, in der des Nachts Wächter schliefen, um den wertvollen Leinenstoff gegen Diebstahl zu sichern. Alfen gehörte zu den wenigen Dörfern, die sich erst spät vom Flachsanbau trennten - noch bis 1910 klapperten in vielen Häusern die Webstühle.
Die ältesten Einwohner wissen heute noch zu berichten, wie während des ersten Weltkrieges und in den Jahren danach fast alle Dorfbewohner noch Hemden aus selbstgefertigtem Leinen trugen. Auch heute noch sollen in manchen Koffern etliche Ballen kräftigen und dauerhaften Leinens ruhen.

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