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Dröie Swatzken

Dröie Swatzken

Seit Jahrhunderten spielen die "Swatzken" (Zwetschen oder Pflaumen) im Paderborner Land eine wichtige Rolle. Die Pflaumenbäume finden auf dem kalkhaltigen Boden dieser Gegend günstige Wachstumsbedingungen. Bis vor 50 Jahren wuchsen auch im Ort Alfen hauptsächlich die Zwetschenbäume. In Hausgärten, auf den Wiesen und an den Feldwegen traf man selten andere Obstbäume an.
Zur Zwetschenernte im Monat September zog der Gemeindebote mit der Schelle durch das Dorf und verkündete: "Moern wärt des Swatzken verkofft!" (Morgen werden Zwetschen verkauft). Am nächsten Tag waren nicht nur die Alfener, sondern auch Paderborner und Käufer von weither zur Stelle. Der Ortsvorsteher leitete den Verkauf der Zwetschen, die auf den Gemeindegrundstücken gereift waren. Tage- und wochenlang ernteten die Familien, jung und alt, mit Stöcken, Kisten und Körben die süßen Früchte. Sie wurden am Bahnhof Borchen zentnerweise verladen und zu den Großmärkten und Marmeladefabriken geschickt.
Was nicht frisch zu verkaufen war, ließ man zu Trockenobst werden. Viele Familien besaßen in ihrem Hausgarten ein kleines, gemauertes Häuschen, das "Broathöiseken" (Brathäuschen), in dem die Pflaumen getrocknet wurden. Im Inneren des Brathäuschens brannte ein offenes, erdebenes Feuer, das nur mit Holz beschickt wurde. Die heiße, aufsteigende Luft konnte ungehindert durch die 12 hölzernen Hürden ziehen, die oben an beiden Seiten über dem Feuer mit Pflaumen gefüllt waren. So dörrte der volle Ofen etwa 4 Zentner frische Früchte gleichzeitig. Daraus wurde dann nach 24 Stunden 1 Zentner Trockenpflaumen. Tag und Nacht musste jemand im Trockenhäuschen anwesend sein, um das Feuer zu überwachen und die Trockenpflaumen abzunehmen.
In einem alten Notizbuch der Familie Fischer stand folgende Eintragung: "Wir haben an trockenen Zwetschen gehabt: 1860 - 22 Zentner, 1866 - 12 Zentner, 1868 - 27 Zentner, 1870 - 31 Zentner". Um 31 Zentner getrocknete Pflaumen (entspricht 124 Zentnern frische Früchte) zu erhalten, musste das Feuer im Brathaus etwa 5 Wochen lang Tag und Nacht brennen. Das war damals eine mühsame, aber lohnende Arbeit. Die getrockneten Pflaumen konnte man als Zahlungsmittel einsetzen. In dem eben genannten Notizbuch war auch vermerkt, dass mit den Trockenpflaumen auch gekaufte Eisenwaren bezahlt wurden.
Auf dem Alfener Küchenzettel kehrten "dröie Swatzken" häufig wieder. Man gebrauchte die Pflaumen in jeder Form und Zusammenstellung, als Gemüse, mit Wurzeln gemischt, in allen möglichen Suppen, z. B. in Linsen-, Bohnen- und Graupensuppe. Dann sei noch das leckere Pflaumenkraut erwähnt, das den in der Paderborner Gegend üblichen Namen "Swatzkenpakkelak" trägt.
In Alfen war wohl Johannes Hüster der letzte, der noch nach dem 2. Weltkrieg einige Jahre lang bis zu seinem Tode sein "Broathöiseken" pflegte und in jedem Herbst für sich und seine Nachbarn Zwetschen trocknete.
Heute findet man in Nordborchen in der Altenaustrasse ein unter Denkmalschutz stehendes restauriertes Brathaus.

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